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Der Film Pre-Crime (2017)

Die Technologie des Predictive Policing zwischen Bull-Shit-Bingo und Kriminal-Tinder
wb 22 Okt. 2017

In dem beim Filmfest Hamburg vorgestellten Dokumentarfilm Pre-Crime von Monika Hielscher und Matthias Heeder geht es um die Vorhersage von Verbrechen und Predictive Policing. Also die Verhinderung von Verbrechen, bevor diese geschehen, mit Hilfe von Datenverarbeitung. Der Film zeigt einige dieser Daten-Techniken im Einsatz und deren Auswirkungen auf Bürger und Gesellschaft.


Urko Dorronso Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0)

Die Herkunft des Begriffes Pre-Crime

Der Spielberg-Klassiker Minority Report von 2001 (basierend auf einer Kurzgeschichte von P.K. Dick) machte den Begriff des Pre-Crime populär und setzte ihn mit einer Mischung aus Psychothriller und Cyber-Science-Fiction bildgewaltig in Szene. Drei hellsichtige sogenannte Pre-Cogs liefern die teils unscharfen Rohdaten für eine computergestützte Datenauswertung die beteiligten Personen, Ort und Zeit von bevorstehenden Mordfällen ausspuckt. Aufgabe des Pre-Crime Department der Polizei ist die Verhinderung dieser Morde und die Verhaftung der potentiellen Mörder bei oder vor der Tat. Auf der Basis eines packenden und cleveren Who-Will-Have-Done-It-Plots problematisiert der Film die Aufgabe elementarer Bürgerechte zugunsten einer verbesserten Sicherheit, die Herrschaft durch Daten bzw. durch deren Unterdrückung und das Konzept des selbstbestimmen Individuums. Seitdem wird der Begriff “Pre-Crime” von Rechts-Kritikern gegen Vorverurteilung und der Aufgabe von Rechtsgrundlagen beim Täterbegriff verwendet. Man denke an “Gefährder”, “vorbeugende Sicherheitsverwahrung” o.ä.

So wenig die Schreibarbeit auf einem deutschen Polizeirevier einer CSI-Episode ähnelt, so wenig hat auch die dokumentarische Aufarbeitung der kriminalistischen Technologien im Film Pre-Crime das narrative-visuelle Potenzial eines Minority Reports. So standen die RegisseurInnen vor der typischen Schwierigkeit, dem Wesen nach unsinnliche Datenmanipulationen visuell umzusetzen. Sie wählten dazu drei Perspektiven auf die neue Technologie: 1. den Schulterblick bei Polizisten und Entwicklern, 2. Interviews mit Betroffenen sowie 3. einordnende Statements von IT-, Kriminal- und Rechtsexperten. Optisch zusammengehalten wird der Film durch düsteres Schwenkmaterial aus Überwachungskameras, Hightech Footage in Videogams-Ästhetik und dem am Zeichenblock sinnierenden Regisseur.

In diesem Artikel sollen weniger die visuellen Problemlösungen des Films betrachtet (Kritiken findet man bei Spiegel, Süddeutscher und Golem.de), sondern die darin vorgestellten Technologien, Ideologien und gesellschaftlichen Auswirkungen von Predictive Policing Techniken näher betrachtet werden.

Predictive Policing Technologien

Prinzipiell lassen sichTechniken, die keine personenbezogenen Daten verwenden (1 und 2), von denen trennen, in solche Daten ebensolche massiv und häufig intransparent einfließen (3).

1 – Statistische Erfassung und Analyse von Einbruchskriminalität für die räumlich-zeitlichen Prognose von Folgetaten (PRECOBS, Predpol)

2 – Echzeitüberwachung und Aufzeichnung aller Aktivitäten einer ganzen Stadt/Region mit hochauflösenden Dronenvideos (LiveStreetView)

3 – Erfassung und Analyse von Kriminal- und Umfelddaten inklusive personenbezogener Daten zum Erstellen von Tatszenarien, potenziellen Täterprofilen und Gefährderlisten. (PredPol, HunchLab, Matrix, HeatList)


Precobs – Das Google Maps für (zukünftige) Einbrüche

Precobs, kurz für Pre Crime Observation System, ist eine von der Firma Institut für
musterbasierte Prognosetechnik entwickelte Software, die in mehreren Bundesländern erprobt wurde und aktuell z.B. in München eingesetzt wird. In die Datenbasis der Software fließen Deliktdaten aus dem Bereich Einbruchskriminalität ein, die systematisch nach Zeit und Ort und Modus Operandi

gespeichert werden. Der Prognose-Algorithmus basiert auf der sogenannten Near Repeat Prediction Method. Dieser liegt die Beobachtung zugrunde, dass bestimmte Deliktarten, speziell Straßenraub und Einbrüche, oft serienmäßig auftreten. Das heißt, innerhalb kurzer Zeit werden Folgetaten derselben Kategorie in räumlicher Nähe zu den ursprünglichen Taten verübt. Ziel des Verfahrens ist es, mithilfe von Daten aus der Vergangenheit herauszufiltern, wann und wo Häufungen von Straftaten erfolgten und auf dieser Basis eine Karte mit sogenannten near repeat areas zu erstellen, in denen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Straftaten ereignen sollen. (s. Abbildung ifmp.org)

Die Ausgangsdaten werden optimiert durch die Vorselektion von Straftaten bei der Dateneingabe. So ist z.B. der verlassene Liebhaber, der bei der Ex den Verlobungsring mitgehen lässt, weniger wiederholungsanfällig als ein Modus Operandi, bei dem in freistehenden Vorstadvillen Balkontüren aufgehebelt werden, um gezielt Laptops zu stehlen. Durch die Vorselektion gelangt man zur Klassifizierung von sogenannten Triggerevents, die mit Hilfe historischer Daten auf Folgeevents hinwiesen. Auf der Basis der Eigenschaften dieser Events versucht man aktuelle Daten so zu analysieren, das potenzielle Triggerevents markiert werden, die in der nahen Zukunft wahrscheinlich zu Folgetaten führen werden. Die Qualität der Analyse steigt natürlich durch die Erfahrungswerte bei der initialien Datenklassifizierung und durch das stetige Einfließen aktueller Daten. Die Hersteller werben auf Ihrer Website mit einer 80% Trefferquote bei der Zuordnung zu Triggerevents und damit, dass sich in der Folge durch gezielte Bestreifung “deutliche Tatreduktionen” in den beteiligten Gebieten festellen lassen.

Von Experten wird die Prognosereichweite dieser Technik unterschiedlich eingeschätzt. Besonders durch die Schwierigkeit, dass in die statistische Evaluation Taten einfließen müssten, die sich durch vermeindlich gezielte Polizeiarbeit eben gerade nicht ereignet haben.

Der zweijährige Einsatz von Precobs in Stuttgart und Karlsruhe wurde vom Max Planck Institut Freiburg evaluiert. Trotz teilweise beeindruckender Zahlen der rein technischen Zuordnung von Folgedelikten zu Triggerevents, ist die Auswirkung auf die Gesamtkriminalität nicht sehr hoch.

“Der wichtigste Schluss ist, dass kriminalitätsmindernde Effekte von Predictive Policing im Pilotprojekt P4 wahrscheinlich nur in einem moderaten Bereich liegen und allein durch dieses Instrument die Fallzahlen nicht deutlich reduziert werden können.” (MPICC, S. 85)

Die Untersuchung verweist auf die Schwierigkeit, in dem äußerst komplexen Studiengebiet kausale Zusammenhänge herzuleiten. Ein weiterer herausgestellter Aspekt, der auch im Film Pre-Crime angesprochen wird, ist die Akzeptanz der Technologie durch die Polizisten. Sollten diese den Eindruck haben, von einer instransparenten Maschinerie fremdgesteuert zu werden, was dann bei Mehrarbeit zu nur geringerer Verbesserung in Sicherheitslage führt, dürfte die Bereitschaft, sich dort einzubringen, gering sein.

Auch wenn diese Form des Predictive Policing datenrechtlich unbedenklich ist, können auch bei den Bürgern Fragen aufkommen, die über reine Effizienzbewertungen hinausgehen. Z.B. ob durch PP-Verfahren eine zusammengesparte Polizei nur noch in bestimmten Gebieten patroulliert und andere Stadtteile und/oder Deliktklassen dadurch vernachlässigt werden.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass das Modell Precobs noch sehr weit von den Verheißungen der Precrime-Abteilung in Minority Report entfernt ist: In der Begleitstudie ist für den Studienzeitraum von lediglich einer tatsächlichen Verhaftung die Rede, die auf Grund eines Precobs Alarms durchgeführt werden konnte.

 

Wide Area Surveillance – Big Drone is watching you, and listening too

Quelle: Produktwebsite Shotspotter.com

Die zweite Technik, die im Film nur angerissen wird, ist die Möglichkeit der Strafverfolgung durch ausgeweitete Überwachung des öffentlichen Raumes durch Videokameras und auch Mikrofone. Diese wird durch ein spektakuläres Beispiel vorgeführt, in dem eine gesamte Stadt durch fliegende Kameras flächendeckend abgefilmt und diese Daten in einem zoombaren Film gespeichert werden. Hier nähert man sich Science-Fiction-Modellen wie dem Simulacrum in Tom Hillenbrandts Zukunftsthriller “Drohnenland” an. Man zoomt einfach an den Tatort eines Geschehens heran und spult nun das 4D-Abbild der Realität vor oder zurück, um zu sehen, aus welchem Haus der Täter morgens herauskam oder wohin er nach der Tat flüchtete. Auch wenn diese Technik im engeren Sinne keine Technik des Predictive Policing ist, erhofft man sich von solchen Überwachungskameras auf Steroiden abschreckende Effekte durch die Unterstützung bei der Aufklärung. Welche gigantische Dimensionen ein solcher Technikeinsatz haben kann, zeigt das Modell ARGUS-IS (Autonomous Real-Time Ground Ubiquitous Surveillance Imaging System), in dem eine in 5km Höhe fliegende 1,8 GPixel Kamera zusammen mit 368 Sensoren Objekte mit einer Auflösung bis zu 15cm erfassen kann. Die anfallenden Daten erreichen dabei bis zu 1 Million Terabyte am Tag. Eine andere Technik, die nur ganz kurz angesprochen wird, ist die akustische Überwachung von Innen- und Außenräumen durch Sensoren, die über Triangulation von Sensordaten die Position von Schüssen aus Feuerwaffen lokalisieren sollen.

Wie bereits gesagt, haben die in diesem Abschnitt präsentierten Techniken nur insofern mit Predictive Policing zu tun, als dass die Gefahr des Entdecktwerdens und der erleichterten Aufklärung eventuell abschreckende Effekte bei potenziellen Tätern hat. Sie gehören in den Kontext der Diskussion über allgegenwärtige Überwachungskameras.

Die Chicago Heat List – Pipi Langstrumpf-Arithmetik beim Crime-Tinder

Kommen wir zum Herzstück des Films Pre-Crime, den Systemen Matrix und Heat List, deren Auswirkungen ausführlich unter anderem mit zwei Betroffenenen diskutiert werden. Da ist Robert McDaniel, der aufgrund seiner Vorgeschichte und von Ereignissen in seinem Umfeld auf eine sogenante Heat List der Polizei von Chicago gerät. Das Programm erstellt auf der Basis persönlicher Merkmale wie vergangenen Kontakten mit der Polizei, aber auch Straftaten im räumlichen oder persönlichem Umfeld eine Gefährder- und Gefährdetenliste. McDaniel gerät wegen kleiner Delikte und einem Mord in seinem persönlichem Umfeld auf diese Liste. Das Programm sieht vor, dass eine gezielte Ansprache durch die Polizei erfolgt, die ihm mitteilt, dass er nun unter besonderer Beobachtung stehe. Ein ähnliches englisches Programm mit dem Namen Matrix, dass sich der Bekämpfung von Gang-Kriminalität widmet, wird am Beispiel eines jungen farbigen Engländers namens Smurfz vorgestellt. In den Interviews wird schnell klar, dass die psychischen Auswirkungen dieser Dauerüberwachung, sowie die Intransparenz, wie man auf die Beobachtungsliste gekommen ist, sowie die Aussicht nicht wieder herunter zu kommen, für die Betroffenen in kafkaeske Situationen bringen können.

Zur Datenbasis der Software äußert sich die Polizei von Chicago in der Chicago Suntimes folgendermaßen. Es fließen unter anderen folgende persönliche Daten ein:

  • Arrests of gun crime
  • Violent crimes of drugs
  • Number of shooting or assaulting incidents
  • Age of last arrest
  • Gang membership

Auf der Basis eines Algorithmus des Illinois Institute of Chicago wird dann ein individueller “risk assessment score” zwischen 0 und 500 errechnet, und basierend darauf eine “strategic subject list” (SSL) erstellt. In den Fokus polizeilicher Maßnahmen gerät man mit einem Score von mehr als 250 Punkten. Insgesamt flossen knapp 400.000 Datensätze von Verhaftungen in die Erstellung der Liste ein, die etwa 1.400 “Stragegische Subjekte” enthält.

Die Intransparenz dieses Verfahrens rief Presse und Bürgerrechtler auf den Plan, welche auf der Basis des Freedom of Information Act Einsicht in die Liste und deren Erstellung verlangten. Schließlich veröffentlichte die Polizei die gesamte anonymisierte Liste, aus fahndungstechnischen Gründen in einer veralteten Version.

Diese ist bis heute auf dem Datenportal der City of Chicago einsehbar oder direkt bei der Chicago Suntimes herunterladbar. Man kann in der knapp 400.000 Zeilen langen Datenbank (s. Abbildung unten) in Spalte A den risk-score sehen, dann eine Menge Flags zu einzelnen Bewertungs-Faktoren, schließlich werden Hautfarbe (K) und Ortsdaten (AF ff.) der letzten Verhaftung festgehalten.

Die New York Times hat kürzlich versucht, den Algorithmus aufgrund der Daten zu rekonstruieren und fand folgende Faktoren:

No. of assault or battery incidents (as victim) +34
No. of shooting incidents (as victim) +17
No. of arrests for violent offenses +15
Trend in criminal activity +14
No. of unlawful use of weapon arrests +12
No. of narcotics arrests +5
Gang affiliation +4
Age (per decade) -41

Nach dieser Rechnung käme ein 20 Jähriger, der fünf mal Opfer von Überfällen wurde und viermal wg. Gewalttätigkeit sowie fünfmal wg. Drogenbesitz verhaftet wurde, schon auf 255 Punkte und damit auf die Liste, und hierbei ist der schwerverständliche Faktor “Trend in Criminal Activity” noch nicht eingerechnet. Dass man in Chicago auf der Basis von wahrscheinlich überteuert eingekauften Algorithmen der Grundschularithmetik auf die “strategic subject list” kommen kann, das hat sich ein Robert McDaniel im Film kaum träumen lassen.

Ein Problem, das den “strategischen Subjekten” im Film schwer zusetzte, war das Wissen, dass man von dieser Liste nicht so schnell wieder herunterkommt. Und in der Tat ist das einzige “Strafpunkte” mindernde Verfahren offensichtlich das Alter. Im schlimmsten Falle mindert sich in unserem Beispiel der risk-score erst nach10 Jahren, denn für jede Altersdekade werden ja wohl in Erwartung geistiger Reifung der “Subjekte” 41 Punkte abgezogen.

Obwohl die Chicagoer Polizei behauptet, der Algorithmus benutze die Fakoren “race” und “sex” nicht, sind diese in der Gesamtdatenbank enthalten und man kann einen Anteil von 85% African American (Merkmal BLK) erkennen. Die Häufigkeit der Kriminalisierung schwarzer Jugendlicher wird im Film von Smurfz als systematischer Rassismus durch Racial Profiling gebrandmarkt. Auch die Experten im Fim unterstellen den Programmen, dass damit die Aufmerksamkeit der Polizei überproportional auf bestimmte Tätergruppen (jung, schwarz, arm) gelenkt wird und Kleindelikte (Marihuana-Besitz) überbetont werden. Dabei gerät etwas aus dem Blick, dass das SSL-Programm in der Grundanlage opferzentriert war. Es war eines von insgesamt 11 Programmen zur Gewaltverminderung in Chicago im Graubereich von Gangkriminalität, wo Opfer- und Täterstatus häufig schwer zu trennen sind.

Ebenso wie in Deutschland das Precob-Programm wissenschaftlich begleitet wurde, hat in Chicago die RAND Corporation das SSL-Programm untersucht, mit dem Ergebnis:

“Individuals on the SSL are not more or less likely to become a victim of a homicide or shooting than the comparison group, and this is further supported by city-level analysis. The treated group is more likely to be arrested for a shooting.” (RAND / Springer)

In der Studie von RAND wird übrigens neben der technischen Analyse noch einmal darauf verwiesen, dass das Programm nicht nur im Sinne eine Computerprogramms, sondern viel umfassender als ein Sozialprogramm konzipiert wurde. Das wird auch im Film angedeutet, geht aber etwas unter: Es handelt sich um eine selektive Gefährder- und Gefährdeten-Ansprache, die neben der Androhung von verschärfter Überwachung auch Hilfsprogramme für den Ausstieg aus Drogen- und Gangkriminalität angebieten sollte. Die Vernachlässigung dieses Aspektes wurde in der Auswertung durch RAND auch bemängelt, da die Polizei die Liste primär zur Optimierung ihrer Verhaftungsaktivitäten genutzt hat. Was allerdings trotz massiver Eingriffe in personenbezogene Daten nicht zu einem spürbaren Rückgang der Gewaltkriminalität in Chicago geführt hat. Folgerichtig verweist im Film ein Sozialarbeiter daruf, dass die Entkoppelung der sozialen Aspekte von Kriminalität zugunsten reiner Mathematik kaum nachhaltige Verbesserungen der Sicherheit bringen kann.

HunchLab – Die Ausweitung der Kampfzone

Der umfassendste Ansatz, der im Film gezeigt wird, ist der des HunchLab-Programms, das die Firma Azavea mit der Polizei von Philadelphia entwickelt hat. Grundlage einer optimierten Einsatzplanung der Polizeikräfte ist eine Gewichtung einzelner Straftatkategorien.

Quelle: Hunchlab.com

Auf der Basis der Annahme, dass eine aus dem Auto geklaute Tasche anders gewichtet werden muss als ein Mord (etwa 4.044 mal so schwerwiegend) werden Gewichtungen für die Einsatzplanung ermittelt. [Anmerkung am Rande: Lese nur ich implizite Dollarzeichen vor den Zahlen zu Security Weight oder geht es anderen genau so?]

Die Verarbeitung der Ausgangsdaten folgt verschiedenen Kriminalitätstheorien, wie den bei Precobs verwendeten Near Repeat Pattern, dem sogenannte Risk Terrain Modeling und recht profanen aber wahrscheinlich teuer bezahlten Faustregeln wie saisonalen Deliktwahrscheinlichkeiten aufgrund von Tageszeit und Wetter; im Endeffekt der Mathematisierung des gesunden Menschen-/Polizistenverstandes.

Nicht ganz klar wird allerdings, wie genau personen- oder personengruppenbezogene Daten einfließen (s.u. in der hunchlab.com Slide: “Proximity and concentration of know offenders”).

Quelle: (Hunchlab.com)

Soweit zu den Input-Daten, nun zur Prediction-Engine. Hier verweist Hunchlab darauf, dass es mehrere Algorithmen und Machine-Learning-Mechanismen vereint.

Der Hauptalgorithmus wird folgendermaßen beschrieben:

“The primary model HunchLab currently uses is a stochastic gradient boosting machine (GBM) comprised of decision trees trained using the AdaBoost loss function. This model is built to forecast whether a crime event will occur or not in a given space-time raster cell (a binary outcome).” (Hunchlab.com)

Im Kern nutzt man ein Lernmodell, das durch Trainingsdaten konditioniert wird und in mehreren Durchläufen auf minimale Fehler optimiert wird, bevor dann die zu untersuchenden Daten eingespeist werden, was zu einer Risk-Map für ein bestimmtes Raum-Zeit Fenster führt.

Die Ablaufskizze des Algorithmus ist in der Produktpräsentation dargelegt.
https://cdn.azavea.com/pdfs/hunchlab/HunchLab-Under-the-Hood.pdf

Gradient Boosting wird mathematisch hier erklärt:
http://blog.kaggle.com/2017/01/23/a-kaggle-master-explains-gradient-boosting/

Im Unterschied zu Precob oder dem “SSL”-Verfahren ist das Modell nicht auf eine bestimmte Straftatkategorien fokussiert, sondern gibt anhand der ganz zu Anfang aufgestellten Gewichtung verschiedener Straftaten, gleichsam als Utilitarismusmaschine Empfehlungen, wie man die Polizeikräfte so einteilt, dass sich der Gesamtschaden für das überwachte Gebiet minimieren lässt. Dafür gibt es eine mobile Komponente, die den Einsatzteams vor Ort vorgibt, wo sie “am meisten gebraucht werden”.

Quelle: Hunchlab.com

Potenziell kann in dieses Modell jegliche Form von nicht kriminalitätsbezogenen Zusatzdaten eingespeist werden. Der Film suggeriert ohne direkten Bezug auf das im Einsatz befindliche Programm, dass zum Beispiel Äußerungen in Sozialen Medien oder Einkäufe einfließen könnten. Und tatsächlich beruft sich das Team von Hunchlab in seiner Präsentation auf Vorhersage und Profilingmodelle, die in der Online-Werbung verwendet werden. Der Schritt, Werbedaten auch auf der Inputseite zu verwenden, dürfte nicht weit hergeholt sein. Hier stellt der Film zurecht die Frage, was wäre, wenn Personen oder Personengruppen durch diese Modelle anstelle mit vermeindlich passender Werbung bombardiert zu werden, bevorzugt leibesvisitiert werden. Hierzu kann man einmal “Pressure Cooker Bagpack Story” googeln. Ein Problem der genauen Evaluierung besteht darin, dass Hunchlab als kommerzielles Unternehmen, bestimmt kein verschärftes Interesse daran hat, seine Betriebsgeheimnisse offenzulegen. Das führt uns zur nächsten Komponente im Pre-Crime Komplex: dem Business.

Das Crime-Business – Vom BünaBe zum Robocop

Die Entwicklung und der Einsatz von Predictive-Policing Mechanismen läuft wirtschaftlich vor der Folie sinkender öffentlicher Ausgaben für die Polizei bei gleichzeitiger Auslagerung hoheitlicher Aufgaben in die Privatwirtschaft (PPP) ab. Die Verheißung eines effizienteren Einsatzes einer zusammengesparten Polizei dürften daher den Kämmerern in der Politik willkommen sein. Dass auf der Firmenseite nicht unerhebliches Business gewittert wird, sieht man daran, dass neben kleineren Spezialanbietern, große US-Firmen eingestiegen sind. IBMs SPSS bildet die technische Grundlage von Precobs, Oracle bietet in Zusammenarbeit mit Accenture eine Integrated Policing Platform an. Die Verwirtschaftlichung der Polizeiarbeit kann dabei falsche Indikatoren (sog. Key Performance Indicators, KPI) setzen, die direkt mit Profiten verlinkt sind. Man vergleiche dazu einmal die Entwicklungen bei der Privatisierung des Strafvollzugs in den USA mit zweistelligen Renditen.

Werden die KPIs nach Innen in die Polizei z.B. als Verhaftungsquoten weitergereicht (man vergleiche oben die Ergebnisse der RAND/SSL-Studie), so pflanzt sich der Software-Algorithmus als sozialer Algorithmus in die Polizeiorganisation fort. Nicht nur die gemonitorten Verdächtigen werden objektifiziert, auch der Polizist wird schlimmstenfalls vom “bürgernahen Beamten” (BünaBe) zum datengesteuerten Robocop. Die amerikanischen Systeme benennen die Polizisten dementsprechend auch nicht mehr Ermittler/Investigator sondern “Operator”. Von hier fällt ein Schlaglicht auf das Aufsaugen jahrelanger Erfahrung – zum Beispiel bei der Klassifikation von Fällen bei Precobs (s.o.) – durch die digitale Infrastruktur. Systembedingt sinken Qualifikationsansprüche und Ermessenspielräume für den einzelnen Polizisten, was sich zwangsläufig auch im Vertrauensverhältnis des Bürgers zur Polizei ausdrücken wird.

Bewertung der Modelle

Wir haben gesehen, dass bereits eine ganze Reihe von Predictive Policing Methoden in der Erprobung oder Anwendung sind. Auch in Deutschland. Im Zuge der Ausweitung von Gewaltkriminalität und der Zunahme von organisierten Verbrechen wäre es fahrlässig, wenn die Polizei sich nicht guter technischer und organisatorischer Mittel bemächtigt, um ihren Aufgaben gerecht zu werden. Für die Polizei, aber auch den betroffenen Bürger, stellen sich dabei allerdings einige Fragen.

Bringen neue eventuell kostspielige Techniken wirklich den versprochenen / erwarteten Zuwachs an Sicherheit?
Obwohl viele der Modelle relativ neu und noch in Erprobungsphasen laufen, zeichnet sich ab, dass der Nutzen in der Realität vom versprochenen Hersteller-Nutzen erheblich abweichen kann. Akzeptanz kann nur durch transparente Kommunikation der Ziele, Verfahren und Ergebnisse erreicht werden. Bei Bürgern wie bei auch den “Operatoren”.

Inwieweit werden Grundrechte aufgeweicht, um vermeindlich höhere Sicherheit zu erreichen?
Ermittlung bei Tatverdacht ist natürlich sinnvoll und geboten.Sich beim Tatverdacht nur auf Kommissar-Zufall oder die “Nase” des Ermittlers zu verlassen ist fahrlässig. Dennoch gibt es Gefahren für Grundrechte selbst bei nicht personenbezogenen PP-Verfahren, man denke zum Beispiel an die Ausweisung sogenannter Gefahrengebiete in Hamburg 2016, in denen anlasslose Ausweiskontrollen und Durchsuchungen möglich sein sollten. Bei der Verwendung von personenbezogenen Daten wird es noch kritischer. Das Rating von Kunden durch automatische Verfahren zum Beispiel bei Versicherungen und Banken ist problematisch genug, aber die Zusammenführung solcher Daten zu einem Bürgerscoring, wie es momentan in China gemacht wird, dürfte selbst in Ansätzen hochproblematisch für unser Rechts- und Bürgerverständnis sein.

Wie wird durch den Einsatz von Predictive Policing eine implizite Ressourcenallokation vorgenommen, die den Interessen der Bürger eventuell zuwider läuft?
Das fängt auf der unteren lokalen Ebene an:
Werden besonders reiche Stadtviertel übermäßig stark gemonitored, um dort Straftaten zu vereiteln, wohingegen in anderen Stadtteilen Polizeikräfte abgezogen werden? Auch bei den Deliktarten stellt sich die Frage der Fokussierung. Etwa: Werden öffentlichkeitswirksame Verhaftungen von Kleindealern mit höherem Aufwand verfolgt als zum Beispiel schwere Gewalttaten im heimischen Bereich? Und schließlich auf gesellschaftlicher Ebene, das hat Heeder im Film und auch in der anschließenden Diskussion herausgestellt: Warum werden diese Modelle bevorzugt bei Kleinkriminellen angewandt und nicht in viel größeren Ausmaß bei der organisierten Kriminalität? Auf höherer Ebene, also bei den Hintermännern wird jede organisierte Kriminalität zu Wirtschaftskriminaliät. Und gerade bei Wirtschaftsdelikten wäre eine datengestützte Verfolgung und Analysen von Zahlungsströmen sicher viel effektiver, als der Versuch das Verhalten eines sprunghaften 20-Jährigen vorherzusagen.

Wie wird durch die Verwirtschaftlichung des öffentlichen Gutes “Sicherheit” die Gesellschaft verändert?
Im Zuge der Digitalisierung findet eine beispiellose “Objektivierung” impliziter Annahmen und Konsense statt, die gerade wenn wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, zu nachhaltigen Veränderungen gesellschaftlicher Grundparameter führen kann. Zum Beispiel: Die Aufweichung des Täterbegriffes zum dauerobservierten “Gefährder”, die Enteignung von Wissen, Intuition und Mitgefühl bei den Polizisten durch Privatfirmen und die Ausblendung der gesellschaftlichen Ursachen von Kriminalität zugunsten eines reibungslosen und zudem profitablen Vollzugsapparates. In den Broschüren der IBMs und Oracles findet sich datengestützte Sicherheit als Baustein der sogenannnten Smart Cities. Daher gilt es bei diesem schillernden Begriff besonders kritisch zu bleiben, damit (um es tagesthemen-kompatibel zu formulieren) am Ende nicht die Bürger der Dummen in den profitablen Smart Cities sind.

Pre-Crime läuft seit dem 17. Oktober in deutschen Kinos. Auf der Website www.precrime-film.de kann man erfahren wo. Wer einen erste Einblick in diese neuen Überwachungstechniken erhalten möchte, dem sei der Film empfohlen, besonders als Diskussionsgrundlage für Workshops oder Schulprojekte. Auch wenn der Film durch seine visuell etwas überladene Stuktur in Teilen an Erkenntnisqualität einbüßt, so hat er dennoch das Potenzial, eine Diskussion anzuregen, wie Verbrechen und Verbrecher definiert werden, und wie unser gesellschaftlicher Umgang damit sein sollte.

Interview mit Regisseur Matthias Heeder:
https://www.zdf.de/kultur/aspekte/videos/heeder-doku-precrime-aspekte-exklusiv-01-09-2017-100.html

Filmkritik in der Zeit:
http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2017-10/pre-crime-film-predictive-policing

Taeglich.me – Regionales als Full Paid Content

Taeglich.me  bietet ein Full Paid Content Angebot für 60 Euro im Jahresabo.

Fünf Redakteure berichten fokussiert Regionales aus der Region Mettmann. Das Angebot umfasst umfangreiche Regionalberichterstattung mit tiefen Hintergründen sowie Termine aus der Region.

taeglich

Business:
ca. 1.500 Abonnenten
Tages-, Wochen-, Monats-, Halbjahres- und Jahresabo (1€ – 60€)

Betreiber:
Taeglich.ME UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG

Metzgeshauser Weg 29
42489 Wülfrath
info@taeglich.me
0171/5453402

Quelle:
Markt und Medien – DLF Interview mit Thomas Reuter. Podcast vom 4.4.2015

Stand: 9.4.2015

Angestellter sourced sich selbst aus

Sehr schöne Geschichte über einen angestellten Softwareentwickler, der seine Aufgaben für ein Sechstel seines Gehalts durch von ihm unterangestellte Chinesen erledigen lässt.

http://www.krone.at/Digital/Fauler_Mitarbeiter_bezahlte_Chinesen_fuers_Hackln-Surfte_lieber_im_Netz-Story-347927

http://www.bbc.co.uk/news/technology-21043693

Da nimmt mal einer das Gerede von ICH-AG, angestellter Unternehmer etc. beim Wort,
verwirklicht zugleich Dietmar Daths Forderung “sehr viel mehr Menschen in das einzubeziehen, was hergestellt wird” und dann soll es auch wieder verkehrt sein.

Dabei weiß man doch:

Im Zeitalter der Mobilisierung der letzten Rendite-Reserven mit der Philippe Starckschen Zitronenpresse meint “Angestellte als Unternehmer” :

Zeiteinsatz, Begeisterung und Verzicht auf bezahlte Überstunden und Krankheitstage wie ein Unternehmer, OHNE sich an der Abschöpfung des Mehrwertes zu vergreifen.

Amish people

Über Weihnachten sehr schöne Doku über die Amish im Fersehen gesehen. Inmitten des Turbokapitalismus leben die nach alter Väter Sitte machen alles so wie es im Buch der Bücher steht. Ein bisschen so wie in der DDR nur erfolgreich und mit Autos.

Subtiler FAZ-Redakteur

Aus der FAZ am Sonntag, 22.10.2006, S. 49

“Das kleine Arschloch und der alte Sack” ist das jüngste Opus aus dem Hause Senator.
Thomas Middelhoff und Roland Berger müssen solche Filme lieben – schließlich haben sie gerade ihre Anteile an dem Unternehmen aufgestockt.”

Als großer Befürworter des rhetorischen Gebrauchs unauffälliger sprachlicher Mittel wie der Satzzeichen lenke ich die geschätzte Aufmerksamkeit auf den Gedankenstrich im zweiten Satz. Dieses Innehalten und Auskosten lässt irgendwie die Ahnung aufscheinen, dass das kein unfreiwilliger Humor ist.

Generation YouTube, noch da? Denkt Euch den Gedankenstrich einfach als Lachband.
Dann hat man einen ungefähren Eindruck, warum das lustig ist.

>web 2.0 – From bubble to cloud

>Timeline of a global hype we escaped by the blink of an eye

According to an LA Times/Bloomberg poll, the majority of American teens and young adults is bored by mainstream media. Due to this fact more and more youngsters not only in the US take matters into their own hands and start creating their own media, often with unforeseeable results. The following timeline of a global hype we escaped by the blink of an eye illustrates that sometimes it’s better to surrender to boredom than to fight it by any means.

April 1, 2006
Uppsala, Sweden. Because he is bored, high school kid Lars Nyquist sticks a ballpen into his left ear. He films the procedure with his webcam, and uploads the blurry 15 second clip to the internet.

April 4, 2006
Jindrich Hurnik, a bored student from Prague, links to Nyquist’s clip in his blog and adds a ;-). On deli.cio.us he tags the link: “cool”.

April 6/7, 2006
The Berlin DJ Ikkenüscht finds the link on deli.cio.us in the morning of April 6, he loops the clip and adds a self-sampled soundtrack. Late at night, he uploads the result, a 3 minute-video titled stick_it_into_me.avi to MySpace.


April 12, 2006

Berlin based left wing daily “die tageszeitung” reports about the video of Ikkenüscht and adds a commentary on how German underdog rappers fight the machinations of the evil record industry by the means of open source sampling programs.

April 22, 2006
In a report about the blogosphere the BBC links to the video of Ikkenüscht. Millions of bored employees and students waste bandwidth of their companies and universities in order to see the video. Attention seeking children and students all over Europe start sticking pens into their ears and film the results with their mobile phone cams.


Mai 1, 2006

Tel Aviv. After a self organized code camp three Israeli schoolboys found the internet portal Koogelschreibr.com solely dedicated to videos of people who stick pens into their ears.


July 2006

Pushed by mainstream media reports about the dangers of sticking pens into one’s ears, MTV jumps on the bandwagon. Jimmy Knoxville and a moronic blonde with a head bandage present the real live show: Pimp my pen, sponsored by Phonak hearing aids and ball pen producer BIC, presents a virtually endless video stream of pen-sticking American college kids, with a vocabulary restricted to the words “Oh my god”. The sequence of grainy clips is frequently interrupted by the warning: “Don’t do that at home”, uttered by a Monty Pythonesque off-voice.


July 14-16, 2006

The Columbia Halle in Berlin is overcrowded with attendees of the “Deaf con 2.0”. The founders of Koogelschreibr.com lecture in turn with chief technologists of Deutsche Telekom and nerdy linux gurus about “wisdom of the masses”, “the return of push” and “disruptive technologies”. At the get togethers in the evenings guests stick pretzel sticks into each others ears while listening to resamples of the Roxy Music classic “Let’s stick together”.


July 17, 2006

London. The Daily Mirror’s lead story is: “H-E-L-L-O?! Why our kids are not listening any more.” The story is illustrated with a center fold photo of lighly clad Kylie Minogue riding an 80 inch mock-up ballpen. In London it is de rigueur to show up at vernissages and parties with a pen clamped behind the ear.


July 20, 2006

Some kids from the outskirts of Moscow decide that sticking pens into one’s ears is not cool enough anymore. A small group of so called “hardstickers” begins sticking bigger calibers like Stabilo Boss textmarkers into ears and other orifices. The corresponding videos circulate in P2P-networks and on video iPods in Russian schoolyards. Moscow ambulances run out of castor oil.


July 30, 2006

Meanwhile Google outbids Yahoo with a $117 million offer for koogelschreibr.com. Domaingrabbers try to secure the domains googleschreibr.com, .org, and .net. The founders of kugelschreibrr.com appear on the front page of business week. PC
World abandons the long planned lead story “How to speed up Windows XP” for an exclusive report on : “How to secure your computer against sticker videos”.

August 7, 2006
Microsoft postpones the start of their operating system Vista for another 6 months in order not to to miss again one of the latest trends. At a Mac developer conference in San Francisco Steve Jobs pulls the new iStick out of his ear applauded by a fanatic crowd of 4000 developers. The device is made from wipeable white polycarbonate, contains 20 minutes of AAC-coded silence and is powered by a non replacable battery.

August 12, 2006
Wired.com lists than more than 20 Web 2.0 platforms based on the koogelschreibr.com API. Main functionality of all websites is a Google map, showing where and when who sticked which pen into which ear and a sidebar linking to the according photos on Flickr, videos on Youtube and blogs on Blogger.

Thank goodness it never came so far: Just when Lars Nyquist started to feel bored, a nice white cumulus cloud floated across the sky in front of his window. Lars blinked. He looked at the cloud, and his mind began to get lost in thought. Under his idle comtemplation the cloud transmuted into a snow-white, fluffy sheep that started to graze some smaller clouds from the sky. Under the mild turbulence of ascending warm air the sheep morphed first in to a gigantic cauliflower and then into the profile of Lars’ grandmother. It came into Lars’ mind that he should visit his grandma sometime, instead of just writing emails to her. He switched off his computer, grabbed his MP3-player and his cycle clips and set off.

>"Da drückt was auf das Stammhirn" (Ein Leserbrief)

>lauf lauf lauf

Folgenden Leserbrief musste ich heute an die Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) schicken.

Liebe FAS-Redaktion,

zu den wenige Ritualen in meinem von der Globalisierung durchgerüttelten Wochenlauf gehört das Studium der FAS am Sonntagmorgen. Der sonntägliche Erscheinungstermin dürfte zum Erfolg ihrer Zeitung ein gerüttelt Maß beitragen, wer hat unter der Woche noch Zeit und Muße, längere Artikel und hintergründige Analysen zu lesen. Wichtigster Faktor des Erfolgs dürfte aber die hohe Qualität bei Recherche, Themenwahl und journalistischer Darstellung sein. Deswegen empfinde ich die FAS als wohltuenden Ruhepol in einem auf- und abschwappenden Meer von Ex-und-Hopp-Infotainment-Journalismus.

Als ich jedoch in der letzten Woche am Frühstückstisch in den Gesellschaftsteil hineinblätterte, fiel mir glatt das Brötchen aus dem Gesicht. Fassungslos starrte ich auf den Bericht?/Artikel?

Die Renner, Laufschuhe im Test

Ehrlich gesagt, musste ich noch einmal zurückblättern, ob nicht versehentlich Leseproben der letzten “Fit for fun”, “Men’s Health” oder ähnlicher mit der heißen Nadel gestrickten Dopinggazetten in meine geliebte FAS geraten waren. Auch eine Kennzeichnung “Anzeige” oder “Dauerwerbesendung” suchte ich vergebens.

Also machte ich mich an – Lektüre wage ich es nicht zu nennen – das Aufpicken der mir von Ihrer “Redakteurin” Barabara Mia Grofe hingeschmissenen Infohäppchen.

Eingeleitet wurde die beinahe halbseitige Leistungsschau der weltweiten Plastiktreterindustrie mit einem, nennen wir es Teaser, mit folgendem journalistischen Gehalt:

– In jedem Park und sogar auf dem Weg zum Einkaufen sind Jogger anzutreffen.
Aha.

– 17 Millionen Deutsche laufen.
Interessant.

– Jeder Fuß ist anders.
Das ist ja ein Ding.

Unausweichliche Schlussfolgerung der letzten Behauptung war dann, dass
ein mir bis dahin völlig unbekannter Oliver Heil, seines Zeichens Triathlet und Iron-Man-Teilnehmer aus Bad Nauheim “für uns” einige der neuesten Laufschuhe testen und kommentieren musste.

Was soll das? Sie sagen es in Ihrem Artikel ja selbst. “Jeder Fuß ist anders”. Warum soll ich dann mit Zeit, Geld und unnötigem Altpapier dafür bezahlen, dass sich die Käsemauken eines gewissen Oliver Heil aus Bad Nauheim in einem Laufschuh XY von Firma A “wie in Watte gepackt” anfühlen.

Bitte richten Sie Ihre Bemühungen in Zukunft wieder verstärkt an meinen Kopf und nicht an meine Füße. Falls im Gesellschaftsteil zu viel Platz ist, “wiederholen” sie dort doch einfach ein paar der vorzüglichen Artikel von Stefan Niggemeier.

Mit freundlichen Grüßen

PS. Eigentlich wollte ich es nun gut sein lassen. Ich bin kein kleinlicher Mensch, aber da ich in der Journalistenausbildung tätig bin, hab ich mir das Artikelsurrogat doch noch einmal für meine Studenten etwas genauer daraufhin angeschaut, was ihn von einem echten Artikel unterscheidet. Es sind genau jene sprachlichen Merkmale und strukturellen Attribute, die den Häppchen-Journalismus der oben genannten Lifestylemagazine von richtigem Journalismus, der normalerweise in der FAS zu finden ist, unterscheiden.

1. Blähstil
Da ist zunächst der Blähstil, hier auch formal schön erkennbar an der Schriftgröße, die sich zwischen der einer Subheadline und der üblichen Artikelschriftgröße bewegt. Zwischengrößen sind ein ziemlich sicherer Indikator für mangelnde Substanz. Wer hat nicht schon durch “Tunen” von 12 auf 13 Punkt eine Seminararbeit auf die geforderte Seitenzahl “aufgeblasen”. Inhaltlich entspricht diesem Verfahren das Aufblähen von ganz wenig oder sehr dünnem Inhalt durch Wiederholungen, lange Reihungen, umständliche Formulierungen oder Anreicherung mit Allgemeinplätzen.

Beispiel:
Absatz 1.
Gesagt:
“Sie sind überall. In jedem Park, beim Sonntagsspaziergang und auf dem Weg zum Einkaufen sind Jogger anzutreffen. Laufen liegt im Trend – rund 17 Millionen Menschen in Deutschland tun es regelmäßig. Nicht ohne Grund: Laufen stärkt die Muskulatur, das Herz und das Immunsystem.”

Etwa gemeint.
17 Millionen Deutsche laufen regelmäßig und profitieren von den positiven Auswirkungen auf Muskulatur, Kreislauf und Immunsystem.

2. Emphase statt Logik
Weiteres Kennzeichen von Lifestylejournalimus ist die übertriebene Emphase (“flexibelste”, “ganz wichtig” etc.) bei gleichzeitigem Ignorieren logischer Zusammenhänge und der Bedeutung von Adverbien und Konjunktionen. An die Stelle einer stringenten Argumentation tritt ein Pasticcio “gefühlter” Zusammenhänge.

Zur Illustration gehen wir einfach mal Absatz 2 satzweise durch.

“Laufen ist eine der flexibelsten Sportarten überhaupt.”

Was soll das heißen? Und wieso “überhaupt”?

“Trotzdem muss die Ausrüstung stimmen.”
Warum “trotzdem”?

“Besonders wichtig sind Füße und Gelenke, die beim Joggen das Zwei- bis Dreifache des Körpergewichts aushalten müssen.”
Sind die Füße und Gelenke mit “Ausrüstung” gemeint?

“Ein guter Laufschuh dämpft den Aufprall und stützt den Knöchel”.
Guter Satz!

Gemeint ist wohl.
Zum Laufen braucht es nicht viel. Unverzichtbar ist allerdings ein guter Laufschuh, der die Aufprallkräfte dämpft und die Knöchel stützt.

Noch auffälliger ist die logische Zusammenhanglosigkeit bei der Conclusio, die Absatz 3 einleitet.

Absatz 2 endet mit. “Letztlich hilft nur Ausprobieren. Denn jeder Fuß ist anders.”

Daraus wird nun “geschlossen”:
Deshalb testete Oliver Heil für uns einige der neuesten Laufschuhe.”

Die Tatsache, dass jeder Fuß anders ist, verweist ja schon auf die Sinnlosigkeit eines stellvertretenden Tests durch Oliver Heil und sei er ein noch so toller Athlet.

3. Sinnlose Tests
Womit wir beim dritten Merkmal des Livestylejournalismus sind: in “Infokästen” präsentierte sinnlose Tests. Sinnlos deshalb, weil subjektive Kriterien zu quasi objektiven Bewertungen geführt werden.

Zunächst wird aus der Fülle des Laufschuhangebotes (“es gibt alles”) eine kleine Anzahl (hier 6 Stück) herausgegriffen, ohne dass die Kriterien klar sind. Dann werden, und das ist neu und ein Graus, Interviewschnipsel (“das finde ich echt unangenehm”) mit Fachinformationen (“150 Euro”) verschnitten, um schließlich in eine schulnotengleiche “Gesamtnote” zu münden (“befriedigend”).

Ich hätte es wahrscheinlich auch kürzer sagen können, vielleicht in der Sprache von Frau Barbara Mia Grofe:

Der Knicker. Zeitungsrubriken im Test.

“Da drückt was auf das Stammhirn”
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (2,50 Euro) soll laut Hersteller informieren und erfreuen. Nach dem Brötchenschmieren blättert Eric Klepptenberger gleich in die Rubrik Gesellschaft. Der erste Eindruck? “Der Gesellschaftsteil ist so dünn, da spüre ich den Sachgehalt nicht mehr” findet Eric Klepptenberger. Und wie ist das Gefühl beim Lesen? “Da drückt was auf das Stammhirn” Das Quality Assurance Program von FAZ scheint nicht ganz zu greifen. Trotzdem – Werner findet: Die FAS ist mit Abstrichen eine der besten Zeitungen überhaupt. Gesamtnote: gerade noch befriedigend.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr treuer Leser

>CAFFEE, trink nicht so viel Kaffee

> Veröffenlicht auf telepolis.de
Zum Kaffeekränzchen, vulgo “Bündnis für Erziehung”, traf sich die Bundesfamilienministerin (7 Kinder) Ursula von der Leyen in der letzten Woche mit der evangelischen Landesbischöfin Margot Käßmann (4 Kinder) und dem Erzbischof von Berlin Georg Kardinal Sterzinsky (keine Kinder, weiß aber, wie es geht, im Prinzip).

Neben der Kaffeetafel stand der ölverschmierte Amboss, auf dem die drei “ChristInnen” (taz) bei einer schönen Tasse Türkentrank das “Bündnis für Erziehung” mit Hilfe zweier schwerer in Kunstleder gebundenen Volksbibeln und der Taschenbuchausgabe der deutschen Verfassung schmiedeten.

Bei der schweißtreibenden Arbeit kam es infolge exzessiven Kaffeegenusses und nicht minder heftigem Bibelstudium zu den üblichen Begleiterscheinungen der Koffeinvergiftung: Herzrasen, Schwindel, Krämpfe und schließlich: Visionen. Als erstes ging es bei von der Leyen los. Angesichts der Verfassungsbroschüre delirierte sie: “Hey, die sieht ja aus wie die Bibel in klein.”

Sah’s und sprach:

“Die ersten 19 Artikel unseres Grundgesetzes fassen doch im Prinzip die zehn Gebote zusammen”.

Nun gehört es zu den Errungenschaften eben jenes Grundgesetzes durch den Meinungsfreiheitsartikel auch irrige Ansichten zu schützen, wie zum Beispiel jene des heruntergekommenen Hippies am Bahnhof Zoo, der in der letzten Woche so manchen Passanten mit seiner Meinung behelligte: “Ich bin Gott, ey.” Dass vergleichbarer Salm aber durch unsere obersten Staatsvertreter als offizielle Meinung in die Medien geblasen wird, ist egal in welcher Verfassung man sich befindet, einfach nicht mehr zu fassen und eher schon ein Fall fürs Umweltamt, Abteilung Sondermüll. Für alle, die Politik immer blau gemacht haben und sich den Kommunionsunterricht nur wegen der zu erwartenden Geschenke abgesessen haben, hier noch mal der direkte Vergleich.

1.Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe.
2. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
3. Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen.
4. Gedenke des Sabbattags,
5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren,
6. Morde (töte) nicht!
7. Du sollst nicht ehebrechen.
8. Du sollst nicht stehlen.
9. Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
10. Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechtes noch seiner Magd, noch seines Ochsen noch seines Esels, noch alles, was dein Nächster hat.
(Quelle: Wikipedia.de (gekürzt) http://de.wikipedia.org/wiki/10_Gebote)

1. Menschenwürde und Menschenrechte
2. Freie Entfaltung der Persönlichkeit und Recht auf Leben
3. Gleichheit und Gleichberechtigung
4. Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, Kriegsdienstverweigerung
5. Freie Meinungsäußerung, Informationsfreiheit, Forschungsfreiheit
6. Schutz von Ehe und Familie
7. Schulwesen
8. Versammlungsfreiheit
9. Vereinigungsfreiheit
10. Postgeheimnis, Fernmeldegeheimnis
11. Freizügigkeit
12. Berufsfreiheit
12 a. Wehrpflicht, Wehrersatzdienst
13. Unverletzlichkeit der Wohnung
14. Eigentum, Erbrecht, Enteignung
15. Sozialisierung
16. Staatsangehörigkeit, Auslieferungsverbot
16 a. Asylrecht
17. Petitionsrecht
18. Grundrechtsverwirkung
19. Einschränkung von Grundrechten, Rechtsweggarantie
(Quelle: Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland)


Schwächt die Nerven macht dich blass und krank

Ab und an ein bisschen Schwachsinn labern, wer hat das als Schüler nicht gerne getan? Aber ein bisschen Schwachsinn war von der Leyen als Ergebnis für ein echtes Gipfel-Treffen aber noch nicht genug. Nach gemeinsamen Gebet und dem Genuss eines schönen Pickels Weihrauchs aus dem Privatbestand des Erzbischofs von Berlin entfuhr der Familienministerin schließlich die nachösterliche Offenbarung.


“Unsere gesamte Kultur gründet sich auf der christlichen Kultur.”

Eine gewagte These der sonst eher praktisch veranlagte Medizinerin (promoviert über therapeutische Entspannungsbäder in der Geburtsvorbereitung). Spannt sich doch der Bogen der “kulturellen Aktivitäten” des Christentums von der Verbrennung Andersgläubiger, der Leugnung der Evolution bis hin zur Abqualifizierung Homosexueller. Wir wollen hier nicht die vielen Toten aller christlichen Glaubenskriege gegen eindeutige Errungenschaften der christlichen Kultur, wie z.B. Bachs H-Moll-Messe, aufrechnen. Statt einer Bilanz soll Katharina Rutschkys Überschlagsrechnung aus der Frankfurter Rundschau gelten.

“Es hat also viel gekostet, das Christentum so zu zivilisieren, wie wir es heute vom Islam erhoffen.” (Quelle: Frankfurter Rundschau )

Ganz so zivilisiert scheint das Christentum auch in Deutschland noch nicht, rief doch Gipfelbischof Georg Kardinal Sterzinsky noch im November 2004 im Zusammenhang mit der Homoehe zum Widerstand auf gegen staatliche Gesetze auf, die dem Gesetz Gottes widersprechen. Das haben wir so zuletzt auf den grieseligen Ermittler-Videos aus der Al-Quds-Moschee gehört. Aber was will man erwarten. Seit der bayrische Großinquisitor zum Papst gewählt wurde, feiert das Heilige Römische Reich Deutscher Nation fröhliche Urständ und auch das C in der CDU schwillt aus lauter Vorfreude darauf wieder mächtig an.

Sei du kein Muselmann
Nach der Empörung anderer Religions- und Interessengemeinschaften, die nicht zum Bündnis-Kaffee geladen waren, vorneweg Muslime und Juden, drohen auf jeden Fall weitere Laberrunden, ganz viele “kleine Gipfel”, Minibündnisse und Ausschüsse, die unterhalb der Legislaturperioden zur kommoden Zwischenlagerstätte gesellschaftlicher Probleme geworden sind.

So gesehen ist das Hauptziel des Erziehungs-Gipfels bereits erreicht. Das eigentliche Skandalon, dass fast 5 Mio. Leute beim Exportweltmeister keine Arbeit haben und damit ihre Familien und Kinder bis auf Bußgottesdienste und 9Live-Gucken vom gesellschaftlichen Leben in unserer abendländisch-christlich-deutschen Wertegemeinschaft ausgeschlossen bleiben, ist erst einmal aus den Medien verschwunden. Für dieses Ziel lässt man sich die politische Agenda gerne von ein paar durchgeknallten Hauptschülern diktieren, die mit Schlagringen in der Luft herumwedeln und in die Kameras rappen: “Respekt. Ich fick deine Mutter.”

Das klingt nicht gut, nein und ist wirklich eine Schande, wo wir in unseren werteorientierten Schulmusikbüchern, so viel schönere Lieder haben. Zum Beispiel:

C A F F E E, trink nicht so viel Kaffee.
Nicht für Kinder ist der Türkentrank,
schwächt die Nerven macht dich blaß und krank.
Sei du kein Muselmann, der das nicht lassen kann.

Carl Gottlieb Hering (1766-1853)

>Schäuble über Islam, Titten und Holocaust

>Busty
Einen denkwürdigen Zusammenhang zwischen Islam, Titten und Holocaust stellt Wolfgang Schäuble in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 12. März her.

Im Interview mit der Zeitung betont Schäuble die Notwendigkeit von Einbürgerungstests. Nach holländischem Vorbild sollen diese radikal vereinfacht werden und das Ertragen von Titten in der Öffentlichkeit zur Minimalanforderung für die Integration von Muslimen in unsere christliche Leitkultur werden. Schäuble.

“Denn es ist auch für Muslime gut zu wissen: Wenn du in Holland an den Strand gehst, kann es dir passieren – ob das nun Hoffnung oder Befürchtung ist -, daß du spärlich bekleidete Frauen siehst. Wenn man das nicht will, sollte man nicht in dieses Land gehen.”

Für den moslemischen Regimekritiker, der in der Hoffnung oder gar trotz der Befürchtung allgegenwärtiger blanker Busen aus dem Iran flüchtet, um fürderhin sein Wasserpfeifchen am Strand von Den Helder zu schmauchen, mag das alles noch angehen. Wer allerdings in Stuttgart Möhringen dazugehören möchte, so richtig mit Kehrwoche und Personalausweis, der ist laut Schäuble stärker gefordert. Zum Deutschsein gehört halt mehr als das Anstarren eingeölter Brüste, nämlich – Zuwanderer! Bitte Hose wieder zu machen -, ein Bekenntnis zur deutschen Vergangenheit. Denn so Schäuble:

“Wer Deutscher werden will, muß die deutsche Vergangenheit als seine nationale Vergangenheit mit übernehmen.”

Was meint Schäuble damit? Die Schmach von Cordoba, das Foul von Schumacher an Battiston? Oder meint er gar…?

Verantwortung übernehmen

“Das geht nicht, dass die Zugewanderten sagen: Was vor 1945 war, interessiert uns nicht. Auch die, die nach 1945 geboren sind, haben als nationale Identität die Verantwortung für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das gilt auch für die, die sich integrieren wollen.”

Das ist nur fair. Was der arbeitslose Neonazi in Sachsen-Anhalt qua Geburtsrecht im Schlaf bzw. im Suff automatisch mit erledigt, den verantwortlichen Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, das muss sich der türkische Gemüsehändler, der seit 30 Jahren mit seinen Steuern die Heizkosten im sächsischen Landtag (9,2% NPD) mitbezahlt, erst mühsam antrainieren. Sonst nix deutsch. Und wenn der Zuwanderer ein russischer Jude ist, dann übernimmt er nach Schäubles Logik Verantwortung für den Holocaust und für den Angriffskrieg gegen Russland.

Auch für muslimische Frauen wird in Schäubles Verständnis am deutschen Wesen die Welt genesen:

“Ich bin [beim Ehegattennachzug] für die Heraufsetzung auf 21 Jahre, weil die Wahrscheinlichkeit, daß eine erwachsene Frau, zumal wenn Sie ein bißchen Deutsch kann, sich den Zwang nicht bieten lassen wird..”

Grundkenntnisse der deutschen Sprache schützen vor Zwangsheiraten. Das leuchtet ein. Wem grunddeutsche Sätze wie “Alter, fick dich ins Knie” oder “Bringst du heute den Müll raus, Schatz” über die Lippen gehen, der ist im Kampf der Kulturen und der Geschlechter ganz weit vorne.

Triumph des Wollens
Was diese unsere schöne deutsche Sprache zu leisten vermag, das illustriert Schäubles am Gebrauch des schönen Wortes “wollen”.

In “Wer in Europa lebt, muss ertragen wollen, dass es Pressefreiheit gibt.”
ist es synonym mit “können”. In “Das gilt auch für, die die sich integrieren wollen.” meint es “sollen” und “Wir machen Angebote zu helfen, aber es braucht die Grundentscheidung der Zugewanderten, dass sie es wollen”, meint alles in allem “müssen.” Wie wollen bzw. können wir solche Feinheiten je in einem Sprachkurs in Anatolien vermitteln?

Daher folgt hier – basierend auf Schäubles Überlegungen – ein Vorschlag für eine radikale Vereinfachung des Einbürgerungstests:

Integrationswollende Migranten lassen sich am Strand von Norderney von 21-jährigen barbusigen Ehegattennachzieherinnen einen ganzen Nachmittag lang aus dem Tagebuch der Anne Frank vorlesen. Gegen Abend folgt ein ordentliches Schweinebauch-Grillen mit Bier bis zum Abwinken. Wem am nächsten Morgen beim Auswaschen der Mülltonnen noch “Deuschland widd Welltmeischer” verständlich hervorbringen kann, der ist schon so gut wie drin.