Angriff der Gnomfrauen – Die langen Jahre sind vorbei

Zu all den Problemen, die uns die momentane Krise beschert – Zeitungssterben, das Ende des Qualitätsjournalismus und die Googlesierung des menschlichen Hirns bei Onlineredakteuren jetzt auch das noch: Unsere Frauen schrumpfen.

Erst komplexe Multimedia-Flash-Präsentationen (wie hier bei stern.de) decken erschreckende im Zahlendickicht verborgene Wahrheiten auf
Unsere Frauen schrumpfen
Das hat das Widget-Applet-Powerpicture-Multiflashjava-2.0-Medium Stern.de jetzt in Fortsetzung des investigativen Springbreak-Journalismus von Spiegel.de herausgefunden. Bzw. das ist das brandheiße Ergebnis der Studie “SizeGermany”. Auftraggeber/Durchführende der Studie werden nicht genannt. Wozu auch, denkt man im ersten Augenblick. Um triviale Erkenntnisse zu erlangen, wie die, dass die Deutschen immer größer und immer dicker werden, genügt ein Blick aus dem Raumschiff G+J auf die Landungsbrücken oder ein Gang zur Eisdiele an der Ecke. Aber da sieht man mal, wie man sich täuschen kann, und dass objektive “Reihenvermessungen an mehr als 13.000 Männern, Frauen und Kinder(n)”, wie sie sich heute nur topinvestigative Medien leisten können, doch das ein oder andere unbemerkte, ja beängstigende Ergebnis zu Tage fördern. Wie z.B. dass unsere Nachwuchsjournalistinnen zwischen 14 und 25 Jahren kaum noch über die Kante des Redaktionstisches gucken können (siehe Schaubild). Der bei Fortsetzung dieses Trends zu befürchtende Mangel an einsatzfähigen Praktikantinnen wird wohl dazu führen, dass Fleißarbeiten und journalistische Basistugenden wie Faktenrecherche und Plausibilitätschecks auch in Zukunft eine Domäne großer, kräftiger Männer (Hallo Stefan Niggemeier) bleiben wird.
Unsere Töchter werden es bald selbst merken und sich dann gegenseitig ins virtuelle Poesiealbum twittern: “Wir sind Zwerginnen, aber wir stehen auf den Schultern von Gigantinnen.”

Rezessionsostern 2009, Löwenzahn statt Rucola

Herrliches Wetter an dem Ostern, das mal als das Rezessionsostern in die Geschichte eingehen wird. In einer Zeit der Unsicherheit, in der Kartoffeläcker und Waldstücke als letztes krisensicheres Investment gelten, ist es an der Zeit sich zurückzubesinnen, auf den Beitrag der heimischen Ackerkrume zu unserem krisengeschüttelten Kalorien- und Vitaminhaushalt. Auch wenn im feucht-grünen Rondell am Ernst-Reuter-Platz die ständig klammen Hauptstädter vorerst noch keine Kartoffeln anbauen, schaut doch der ein oder andere Reihenhausbesitzer stirnrunzelnd auf das handtuchgroße Rasenstück hinter seiner Terrasse und fragt sich, ob er nicht den ein oder anderen Stock der “Helmut-Schmidt-Rosen” durch was Essbares ersetzt, nur für den Fall, dass nach den zu erwartenden Plünderungen durch die deklassierte Mittelschicht der PENNY-Markt an der Ecke schließen muss.

Brandheißer Trend: Vormals als Unkraut geächtetes Grünzeug wie Giersch und Löwenzahn werden als vitaminreiche Kostaufbesserung wiederentdeckt.

Rezept für Caprese à la Steinbrück
Löwenzahnblätter und Gierschblätter lauwarm wässern, um die Bitterstoffe zu mildern. Anstelle von Rucola zusammen mit Tomaten und Parmesan zu einem Caprese-Salat vermengen. Rapsöl und Weinessig statt Olivenöl mit Balsamico geben die nötige Würze. Bitterkeit durch etwas Joghurt dämpfen. Ebenfalls entbitternd wirken wasserhaltige heimische und kostengünstige Gemüse wie Gurken. Mit Löwenzahnblüte garnieren. Salzen, pfeffern fertig. Herr Steinbrück, meinethalben kann das Megabailout mit anschließender Inflation dann kommen!

Amish people

Über Weihnachten sehr schöne Doku über die Amish im Fersehen gesehen. Inmitten des Turbokapitalismus leben die nach alter Väter Sitte machen alles so wie es im Buch der Bücher steht. Ein bisschen so wie in der DDR nur erfolgreich und mit Autos.

Google Brain – Neue Innenansichten der Verbraucher


Während Web-Gurus hierzulande noch über Web 3.0, das Semantische Web oder Typo3 als das “nächste große Ding” schwadronieren, ist man im Googleplex schon 100.000 Googol-Meilen weiter und arbeitet unter höchster Geheimhaltungsstufe daran, das “non-evil empire” des Technologie-Giganten über den Cyberspace hinaus zu erweitern.

KI 2.0 beta
Bereits Anfang diesen Jahres hatte Google-Mitgründer Larry Page bei einem Vortrag vor Wissenschaftlern der American Association for the Advancement of Science erwähnt, dass man bei Google an “echter künstlicher Intelligenz” arbeite. Laut Page sei die menschliche DNA zu einem 600 MByte großen Datensatz komprimierbar. Zudem seien menschliche Hirn-Algorithmen nicht so kompliziert, dass man diese nicht mit hinreichender Rechnerkapazität nachmodellieren könne:

“We have some people at Google [who] are really trying to build artificial intelligence (AI) and to do it on a large scale… It’s not as far off as people think.”
http://www.news.com/2100-11395_3-6160372.html

Geheimes Dossier
Der Vortrag von Page erhält überraschende Brisanz im Zusammenhang mit im Netz aufgetauchten Informationen über ein Project namens “Google Brain”. Damit ist nicht das seit Mai bei YouTube abrufbare Spaß-Video über ein Eliza-ähnliches Dialog-Interface zur Suchmaschine gemeint, sondern ein hochgeheimes Projekt, von dem ausgerechnet bei Blogger (gehört zu Google) Bilder aufgetaucht sein sollen, die direkt aus den Google Forschungslabors zu stammen scheinen. Die Bilder waren nur für wenige Stunden online, bevor Sie zusammen mit den zugehörigen Blogger-Seiten vom Google Dienst verschwanden. Glücklicherweise konnte ein deutscher Blogger namens Norman E. Mailer zwei der drei Bilder speichern und das dritte aus dem Kopf rekonstruieren. Vom dazugehörigen offensichtlich internen Dossier von Google-Wissenschaftlern konnte Norman E. Mailer die ersten Seiten lesen. Als er diese abspeichern wollte, waren die Daten bei Blogger bereits gelöscht.

“Your life”, ist das neue “Second Life”
Die Rekonstruktion dieses Dossiers offenbart Erstaunliches. Demgemäß sieht Google die Zukunft nicht im regionalen Advertising via Google Maps oder Google Radio und auch nicht wie die neueste Version von Google Earth suggeriert, auf dem Mond oder Mars (Google Earth umfasst in der letzten Version ein komplettes digitales Planetarium), sondern in den Köpfen der Google Nutzer, so genanntes “crowd sourcing”.

Schlüsseltechnologie ist dabei ein von einem Nano-Tech Labor in Bangolore entwickelter so genannter Google-Brain-Bot (GBB), der oral oder rektal verabreicht, ein Nano-Plug-In vergleichbar der Google-Toolbar im Körper des Google-Nutzers installiert.

 

Abb1. Google Brain Bot (Rekonstruktion)

Sobald sich der Google Brain Bot in die neurale-API des Google-Nutzers eingeklinkt hat, verbindet sich das Plug-In über Wifi oder Bluetooth mit dem Internet und sendet einen vorverarbeiteten, hochkomprimierten und verschlüsselten Datenstrom der Wahrnehmungen und ausgewählter Körperparameter des Google Nutzers an eine hoch abgeschirmte Dateneinheit namens Samadhi-Think-Tank (STT) im GooglePlex in Kalifornien. Nach dem Abgleich des “Stream of Consciousness” mit den Daten, die Google ohnehin schon über einen registrierten Google-Nutzer hat: die History-Liste der Suchergebnisse, der Inhalt des Google-Mail-Accounts, sowie der aufgezeichneten Konversationen von Google Talk (und in Zukunft dem komprimierten DNA-Satz), erzeugt Google Brain im Google Plex ein Ad-Sense-Overlay, das über das Google Plug-In direkt in den visuellen Cortex des Google-Nutzers eingespielt wird.

Abb 2. Sichtfeld Proband (ohne GBB)

Abb 3. Sichtfeld Proband mit GBB

Der Google Brain Bot soll im Einzugsbereich beliebiger Wifi-Datennetze wie z.B. bei Starbucks oder in der Lounge der meisten Flughäfen funktionieren und ermöglicht es daher erstmalig, Werbung in das Sichtfeld des Google-Nutzers einzublenden, ohne dass dieser vor einem Computer sitzen muss. Dadurch kann die Wirksamkeit von Werbung signifikant erhöht werden. Auch wenn noch keine Möglichkeit zur Interaktion mit den Werbebotschaften integriert ist, soll die Wiedererkennrate von Werbebotschaften (so genannte Total Recall Rate) durch diese Technologie signifikant steigen. Darüberhinaus ergeben sich auch im Zusammenhang mit dem Klingeltonvertrieb neue spannende Möglichkeiten.

Datenschutzaktivisten warnen
Da der GBB kleiner als ein Stecknadelkopf ist, kann er bequem und ohne Nebenwirkungen verabreicht werden. Als Distributionsweg sind Produkte internationaler Lebensmittel- und Pharamakonzerne vorstellbar, so würde der GBB locker in ein M&M passen oder in die Knospe eines Brokkoli-Röschens auf einer Pizza-Hut-Pizza. Wegen der dadurch enstehenden Gefahr für den Endverbraucher, sich einen oder mehrere GBBs unwillentlich und unwissentlich einzuverleiben, fordern Datenschutzaktivisten erweiterte Datenschutzhinweise auf Pizzaschachteln und M&M-Tüten. Zudem sollte die Halbwertszeit des GBB auf 18 Monate beschränkt werden, damit Bedenken der EU um die Privatheit ihrer Bürger Rechnung getragen wird. Damit wäre das neue Gerät auch konform mit der 18-monatigen Aufbewahrungsdauer aller anderen Nutzer-Daten bei Google.

Newsroom der Welt-Gruppe in Berlin

Newsroom der Welt (Ausriss Der Spiegel)
100 digitale Meisterwerke
Heute: Newsroom der Welt-Gruppe in Berlin
(Foto: Ausriss – Der Spiegel/Frühjahr 2007)

Struktur
Auffälligstes Element der Bildkomposition ist die diagonal verlaufende Tischreihe, die von der linken unteren Bildecke in das Zentrum des Bildes läuft und um die die meisten Personen des Bildes wie an eine lange Werkbank herum angeordnet sind. Der Betrachter wird förmlich hineingesogen in das Bild, sein Blick wird mit zwingender Logik auf die riesigen Bildleinwand in Hintergrund gelenkt, wo die finalen Produkte kollektiver Informationsverarbeitung in Echtzeit aufscheinen sollen. Das Personal nimmt an diesem Prozess über die lange Doppelreihe von Bildschirmen teil, die im Vordergrund lediglich angeschnitten dargestellt sind, so dass eine unendliche Verlängerung vorstellbar ist. Das wiederholende Moment der Bildschirme verweist zusammen mit dem Prinzip der potenziell unendlichen Serialisierung auf die Grundbedingungen des Journalismus im Zeitalter seiner digitalen Reproduzierbarkeit hin: Der technische Produktionsprozess steht im Zentrum. Dementsprechend nimmt die Darstellung des Redaktionsbalkens als Datenautobahn zusammen mit dem riesigen Datenscreen im Hintergrund mehr als die Hälfte der Bildfläche ein und dominiert die zentralen Regionen des Bildes, wodurch die Figuren eher an die Peripherie gedrückt werden. Die Keilfigur unterstützt die Zielgerichtetheit des gesamten Arbeitsprozesses, und gibt die Grundgliederung des Bildes vor, in die drei Sphären der Vergangenheit (die Ebene des Betrachters) der Gegenwart (die Sphäre des Redaktionspersonals) und der Zukunft (die Riesenleinwand im Hintergrund). Unterstützt wird die maschinelle Unerbittlichkeit des auf die Zukunft gerichteten Prozesses durch die Exponiertheit der technischen Bildschirmaufhängungen, die mit ihren kalten Industriefarben (grau und metall) auf das Fließband als Vorbild tayloristischer Produktionsweisen deuten. Die suggerierte Flexibilität durch schwenkbare Bildschirme wird konterkariert durch die Einheitlichkeit der Ausrichtung und einheitliche Höhe der Bildschirmjustage. Als weiteres, fast schon nostalgisches Attribut journalistischen Arbeitens, ist jedem Bildschirm ein Telefon beigesellt. Form und Ausgestaltung der Telefone gemahnen jedoch eher an die Verwendung als “Abteilungstelefone”, als dass sie auf den Verwendungszweck des Telefons als Werkzeug echter Recherche verweisen. Überhaupt ist es nur schwer vorstellbar, dass in der dargestellten Situation von einem, geschweige denn von mehreren dieser Apparate Telefonate geführt werden.

Die Figuren
Insgesamt bevölkern 21 Figuren, z.T. verdeckt oder nur in Ausschnitten sichtbar, das Bild. Die zentrale Gliederung durch die “Datenwerkbank” in der Mitte wird ergänzt durch eine zweite Achse, die rechtwinklig zur Werkbank von der Figur des den Betrachter anschauenden Chefredakteur links zur versonnen ins Nichts blickenden Frauengestalt rechts, verläuft. Der Chefredakteur ist etwas vom Tisch abgerückt, er nimmt am Geschehen nicht als zentrale ordnende Instanz, sondern kaum noch von seinen Kollegen unterscheidbar, quasi als bystander teil. Zu groß ist der Sog der Informationsmenge, die über die Datenautobahn ins Produkt kaskadiert, als dass dem nominell Leitenden mehr als eine kommentierende Funktion zufallen könnte. Die insgesamt sieben Falten auf der Stirn des Chefredakteurs lassen zusammen mit den herabgezogenen Mundwinkeln die emotionale Auswirkung dieser Situation auf die Person erahnen. Einzig die hochgezogene Augenbraue lässt Ironie als mögliche Bewältigungsstrategie aufblitzen. Bei der dem Chefredakteur gegenüber sitzenden Frauenfigur ist die Möglichkeit der Ironisierung bereits aufgehoben, die ebenfalls herabgezogenen Mundwinkel, der leere Blick und die auf dem Schoße ruhenden Hände zeigen das Bild der Resignation. Die Figur könnte die Norne “Urd” darstellen, die auf das Gewesene zurückblickt, hier in die ferne Vergangenheit der Gutenberggalaxis einer nicht wiederkehrenden Print- und Papierkultur. Legt man die Geschichtstheorie Walter Benjamins zugrunde, so könnte diese Figur, dem Benjaminschen Engel der Geschichte gleich, eine Schlüsselfigur zum Verständnis des Bildes darstellen.

“Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Der Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.” (Walter Benjamin: Paul Klees Angelus Novus)

Im Zeitalter der unendlichen digitalen Reproduzierbarkeit der von Benjamin erwähnten Katastrophen erscheint dieser Sturm als Datensturm. Die Wahrnehmung des Sturms als Datensturm macht den Engel von einer tragischen zu einer trägen, resignierten Figur. Die beiden Figuren zur jeweils Linken des Chefredakteurs und der Nornen-/Engelsfigur blicken weder nach “vorne” auf die zentrale Großleinwand, noch zurück in die Vergangenheit bzw. auf den Betrachter. Ihr Blick ist exakt rechtwinklig zur Richtung des Datenflusses ausgerichtet. Diese Blickrichtung versinnbildlicht Desinteresse und Machtlosigkeit am Prozess zugleich. Besonders bei der Frauenfigur rechts, die in der Hand den mit einer Kappe verschlossenen Rotstift als Zeichen der Schreibverweigerung hält, wird nicht nur die Indifferenz der Vergangenheit als auch die der Zukunft gegenüber offenbar, der Blick der Frauenfigur geht über den Bildschirm hinweg nach links zum Fenster, hinter dem das Draußen einer Welt der Freizeit und Freiheit von den Zwängen der Arbeitsmatrix liegt. Die beiden Figuren jeweils zur rechten Hand der Chef- bzw. Norne-Figur sind nur scheinbar zwei getrennte Personen. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich, dass ein und dieselbe Figur in zwei Perspektiven und Posituren ins Bild montiert wurde, die in ihren beiden Erscheinungsformen die Entwicklungen der digitalen Produktionsweise zweifach kommentieren. Die linke Instanz dieser fast kahlköpfigen Figur verweist mit einer angedeuteten Form des Nasebohrens auf eine Epoche der Einzelbüros, wo solche regressiv, lustvollen Verhaltensweisen noch möglich waren. Die hier gezeigte Form des “externen Nasebohrens” ist die maximal sozialverträgliche Ausprägung dieses Verhaltens, die das zur totalen Kontrolle in einen Raum gepferchte Kollektiv noch erlaubt. Die andere Instanz derselben Figur auf der Rechten verdeutlicht im Gegensatz zur angepassten Variante des sozialen Nasebohrens, die einzige aktive Möglichkeit, sich den Zwängen des Prozesses durch das handschriftliche Verfassen der durch beide Arme abgeschirmten Kündigung zu entziehen.

Attribute und Symbole
Überhaupt ist die gesamte Erscheinungsweise der Figuren von symbolischen Relikten geprägt. So erscheinen die meisten Männerfiguren in Anzügen, als verblasstes Zeichen der Leitungsfunktion, wo der fordistisch zergliederte durch die Eigengesetzlichkeit der Matrix bestimmte Arbeitsprozess doch eher den Blaumann nahelegen würde. Hinter der Fassade der bürgerlichen Uniform sind die Zeichen der Unsicherheit und Furcht nicht zu verbergen: Die Sorgenfalten des Chefredakteurs, die zusammengepressten Zähne des Mannes mit der roten Krawatte oder der nervös auf den Nägeln kauende Mann am rechten, oberen Ende der Werkbank. Somit wird die eigentlich Souveränität symbolisierende Form des Anzugs dem ebengleichen Prinzip der Anonymisierung und Entfremdung unterworfen, das schon in der Serialisierung des Arbeitswerkzeugs (Bildschirme, Telefone) zu Ausdruck kam. In Verschränkung der Serialisierung von Mensch und Produktionsmittel finden wir zur Linken der Nornen-/Engelsgestalt eine Dreiergruppe von männlichen Figuren, die in Korrespondenz zur Fluchtlinie drei identische Kugelschreiber halten. Die Anordnung der Gruppe, die manieristische Ausrichtung ihrer Schreibgeräte und die Winzigkeit der Papierformate machen deutlich, dass es sich hier nur noch um symbolische Vignetten des Journalismus handelt, die ganz von fern, eigentlich nur noch ironisch auf den Reporter, der sich Notizen macht, anspielen. Ebenso wie die drei “Reporter” sind auch andere Figuren funktionalisiert. So ist die Funktion der kahl rasierten, stehenden Figur neben dem Riesenbildschirm, einzig die, die geradezu übermenschliche Größe der Anzeige zu illustrieren. Hier handelt es sich um einen symbolhaften Praktikanten, der so kostengünstig ist, dass man ihn sich sogar für diese Funktion leisten kann. Im Gegenzuge gewährt man ihm statt Bezahlung das Privileg, im Anzug zu erscheinen und sich als Mitglied des Teams zu fühlen. Der stehende alte Mann am Fenster verweist auf die unsichere Zukunft des weder Rente noch Ehrenplatz in der Gesellschaft zu erwartenden Personals im Vordergrund. In der Nische rechts oben befindet sich Vertreter des Serviceproletariats, das ebenso wie alle Figuren, die sich im Hintergrund (der Sphäre der Zukunft) aufhalten, stehen muss und so noch einmal das große Privileg des im Mittelgrund sitzenden Personals illustriert. Doch dieses Privileg ist in einer Atmosphäre des sprachlosen, von Apparaten bestimmten Datensogs, der das ganze Bild durchzieht, ein relatives Privileg, weil es so offensichtlich auf Zeit gewährt wird. Deutet doch der leere Tisch im Hintergrund direkt unter der Leinwand an, dass man gedenkt, in Zukunft gänzlich ohne irgendein irgendwie privilegiertes Personal, also eigentlich gänzlich ohne Personal zu produzieren. Einziger Hoffnungschimmer dieser düsteren Vision ist die “Schelmengestalt”, deren Kopf im Nacken der Nornenfigur sichtbar wird. Sie trägt grotesk körperlos hedonistische Züge im Gesicht, garniert von einem fast versteckten, aber nicht unterdrücktem Schmunzeln, das darauf verweist, dass es bei aller Apparathaftigkeit der modernen Produktionsweise gelingen kann, Mensch zu bleiben.

>Die Emotionen der Deutschen: Angst, Wut und Trauer

Morgens steht der Deutsche auf und hat Angst, zu spät zur Arbeit zu kommen. Ist er erst mal da, dann arbeitet er voller Wut auf seinen Chef und in Trauer nach der guten alten Zeit, als alles besser war. Mittags hat er Angst, dass das Stammessen I schon alle ist und schlingt dann voller Wut Stammessen II in sich hinein. Das viele Glutamat dämpft seinen Missmut darüber, dass man in der Kantine nicht mehr rauchen darf, in eine dumpfe Trauer. Den Nachmittag über hat der Deutsche Angst, dass er seine Arbeit nicht bis zum Feierabend schafft und macht voller Wut eine halbe Überstunde, die er mit tiefer Trauer über die Steuerklasse I abstempelt. Auf der Autobahn tritt er aus Angst, dass er seine Lieblingsserie im Fernsehen verpasst, mit viel Wut aufs Gas. Wird er von einem schnelleren Auto überholt, beschleicht ihn die große Trauer, dass er sich in diesem Leben einen 5er BWM nicht mehr wird leisten können. Daheim isst der Deutsche sein Abendbrot voller Angst vor Nitrit und Gammelfleisch in der Wurst. Die Reportage, die im Fernsehen läuft, erfüllt ihn mit Wut auf die Chinesen, die den Ölmarkt leerkaufen und für die hohen Spritpreise verantwortlich sind. Mit Trauer über die Schlechtigkeit der Welt legt sich der Deutsche ins Bett, erfüllt von Angst, dass er nicht einschlafen kann von all der Wut und Trauer um ihn herum.

Subtiler FAZ-Redakteur

Aus der FAZ am Sonntag, 22.10.2006, S. 49

“Das kleine Arschloch und der alte Sack” ist das jüngste Opus aus dem Hause Senator.
Thomas Middelhoff und Roland Berger müssen solche Filme lieben – schließlich haben sie gerade ihre Anteile an dem Unternehmen aufgestockt.”

Als großer Befürworter des rhetorischen Gebrauchs unauffälliger sprachlicher Mittel wie der Satzzeichen lenke ich die geschätzte Aufmerksamkeit auf den Gedankenstrich im zweiten Satz. Dieses Innehalten und Auskosten lässt irgendwie die Ahnung aufscheinen, dass das kein unfreiwilliger Humor ist.

Generation YouTube, noch da? Denkt Euch den Gedankenstrich einfach als Lachband.
Dann hat man einen ungefähren Eindruck, warum das lustig ist.

>web 2.0 – From bubble to cloud

>Timeline of a global hype we escaped by the blink of an eye

According to an LA Times/Bloomberg poll, the majority of American teens and young adults is bored by mainstream media. Due to this fact more and more youngsters not only in the US take matters into their own hands and start creating their own media, often with unforeseeable results. The following timeline of a global hype we escaped by the blink of an eye illustrates that sometimes it’s better to surrender to boredom than to fight it by any means.

April 1, 2006
Uppsala, Sweden. Because he is bored, high school kid Lars Nyquist sticks a ballpen into his left ear. He films the procedure with his webcam, and uploads the blurry 15 second clip to the internet.

April 4, 2006
Jindrich Hurnik, a bored student from Prague, links to Nyquist’s clip in his blog and adds a ;-). On deli.cio.us he tags the link: “cool”.

April 6/7, 2006
The Berlin DJ Ikkenüscht finds the link on deli.cio.us in the morning of April 6, he loops the clip and adds a self-sampled soundtrack. Late at night, he uploads the result, a 3 minute-video titled stick_it_into_me.avi to MySpace.


April 12, 2006

Berlin based left wing daily “die tageszeitung” reports about the video of Ikkenüscht and adds a commentary on how German underdog rappers fight the machinations of the evil record industry by the means of open source sampling programs.

April 22, 2006
In a report about the blogosphere the BBC links to the video of Ikkenüscht. Millions of bored employees and students waste bandwidth of their companies and universities in order to see the video. Attention seeking children and students all over Europe start sticking pens into their ears and film the results with their mobile phone cams.


Mai 1, 2006

Tel Aviv. After a self organized code camp three Israeli schoolboys found the internet portal Koogelschreibr.com solely dedicated to videos of people who stick pens into their ears.


July 2006

Pushed by mainstream media reports about the dangers of sticking pens into one’s ears, MTV jumps on the bandwagon. Jimmy Knoxville and a moronic blonde with a head bandage present the real live show: Pimp my pen, sponsored by Phonak hearing aids and ball pen producer BIC, presents a virtually endless video stream of pen-sticking American college kids, with a vocabulary restricted to the words “Oh my god”. The sequence of grainy clips is frequently interrupted by the warning: “Don’t do that at home”, uttered by a Monty Pythonesque off-voice.


July 14-16, 2006

The Columbia Halle in Berlin is overcrowded with attendees of the “Deaf con 2.0”. The founders of Koogelschreibr.com lecture in turn with chief technologists of Deutsche Telekom and nerdy linux gurus about “wisdom of the masses”, “the return of push” and “disruptive technologies”. At the get togethers in the evenings guests stick pretzel sticks into each others ears while listening to resamples of the Roxy Music classic “Let’s stick together”.


July 17, 2006

London. The Daily Mirror’s lead story is: “H-E-L-L-O?! Why our kids are not listening any more.” The story is illustrated with a center fold photo of lighly clad Kylie Minogue riding an 80 inch mock-up ballpen. In London it is de rigueur to show up at vernissages and parties with a pen clamped behind the ear.


July 20, 2006

Some kids from the outskirts of Moscow decide that sticking pens into one’s ears is not cool enough anymore. A small group of so called “hardstickers” begins sticking bigger calibers like Stabilo Boss textmarkers into ears and other orifices. The corresponding videos circulate in P2P-networks and on video iPods in Russian schoolyards. Moscow ambulances run out of castor oil.


July 30, 2006

Meanwhile Google outbids Yahoo with a $117 million offer for koogelschreibr.com. Domaingrabbers try to secure the domains googleschreibr.com, .org, and .net. The founders of kugelschreibrr.com appear on the front page of business week. PC
World abandons the long planned lead story “How to speed up Windows XP” for an exclusive report on : “How to secure your computer against sticker videos”.

August 7, 2006
Microsoft postpones the start of their operating system Vista for another 6 months in order not to to miss again one of the latest trends. At a Mac developer conference in San Francisco Steve Jobs pulls the new iStick out of his ear applauded by a fanatic crowd of 4000 developers. The device is made from wipeable white polycarbonate, contains 20 minutes of AAC-coded silence and is powered by a non replacable battery.

August 12, 2006
Wired.com lists than more than 20 Web 2.0 platforms based on the koogelschreibr.com API. Main functionality of all websites is a Google map, showing where and when who sticked which pen into which ear and a sidebar linking to the according photos on Flickr, videos on Youtube and blogs on Blogger.

Thank goodness it never came so far: Just when Lars Nyquist started to feel bored, a nice white cumulus cloud floated across the sky in front of his window. Lars blinked. He looked at the cloud, and his mind began to get lost in thought. Under his idle comtemplation the cloud transmuted into a snow-white, fluffy sheep that started to graze some smaller clouds from the sky. Under the mild turbulence of ascending warm air the sheep morphed first in to a gigantic cauliflower and then into the profile of Lars’ grandmother. It came into Lars’ mind that he should visit his grandma sometime, instead of just writing emails to her. He switched off his computer, grabbed his MP3-player and his cycle clips and set off.

>"Da drückt was auf das Stammhirn" (Ein Leserbrief)

>lauf lauf lauf

Folgenden Leserbrief musste ich heute an die Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) schicken.

Liebe FAS-Redaktion,

zu den wenige Ritualen in meinem von der Globalisierung durchgerüttelten Wochenlauf gehört das Studium der FAS am Sonntagmorgen. Der sonntägliche Erscheinungstermin dürfte zum Erfolg ihrer Zeitung ein gerüttelt Maß beitragen, wer hat unter der Woche noch Zeit und Muße, längere Artikel und hintergründige Analysen zu lesen. Wichtigster Faktor des Erfolgs dürfte aber die hohe Qualität bei Recherche, Themenwahl und journalistischer Darstellung sein. Deswegen empfinde ich die FAS als wohltuenden Ruhepol in einem auf- und abschwappenden Meer von Ex-und-Hopp-Infotainment-Journalismus.

Als ich jedoch in der letzten Woche am Frühstückstisch in den Gesellschaftsteil hineinblätterte, fiel mir glatt das Brötchen aus dem Gesicht. Fassungslos starrte ich auf den Bericht?/Artikel?

Die Renner, Laufschuhe im Test

Ehrlich gesagt, musste ich noch einmal zurückblättern, ob nicht versehentlich Leseproben der letzten “Fit for fun”, “Men’s Health” oder ähnlicher mit der heißen Nadel gestrickten Dopinggazetten in meine geliebte FAS geraten waren. Auch eine Kennzeichnung “Anzeige” oder “Dauerwerbesendung” suchte ich vergebens.

Also machte ich mich an – Lektüre wage ich es nicht zu nennen – das Aufpicken der mir von Ihrer “Redakteurin” Barabara Mia Grofe hingeschmissenen Infohäppchen.

Eingeleitet wurde die beinahe halbseitige Leistungsschau der weltweiten Plastiktreterindustrie mit einem, nennen wir es Teaser, mit folgendem journalistischen Gehalt:

– In jedem Park und sogar auf dem Weg zum Einkaufen sind Jogger anzutreffen.
Aha.

– 17 Millionen Deutsche laufen.
Interessant.

– Jeder Fuß ist anders.
Das ist ja ein Ding.

Unausweichliche Schlussfolgerung der letzten Behauptung war dann, dass
ein mir bis dahin völlig unbekannter Oliver Heil, seines Zeichens Triathlet und Iron-Man-Teilnehmer aus Bad Nauheim “für uns” einige der neuesten Laufschuhe testen und kommentieren musste.

Was soll das? Sie sagen es in Ihrem Artikel ja selbst. “Jeder Fuß ist anders”. Warum soll ich dann mit Zeit, Geld und unnötigem Altpapier dafür bezahlen, dass sich die Käsemauken eines gewissen Oliver Heil aus Bad Nauheim in einem Laufschuh XY von Firma A “wie in Watte gepackt” anfühlen.

Bitte richten Sie Ihre Bemühungen in Zukunft wieder verstärkt an meinen Kopf und nicht an meine Füße. Falls im Gesellschaftsteil zu viel Platz ist, “wiederholen” sie dort doch einfach ein paar der vorzüglichen Artikel von Stefan Niggemeier.

Mit freundlichen Grüßen

PS. Eigentlich wollte ich es nun gut sein lassen. Ich bin kein kleinlicher Mensch, aber da ich in der Journalistenausbildung tätig bin, hab ich mir das Artikelsurrogat doch noch einmal für meine Studenten etwas genauer daraufhin angeschaut, was ihn von einem echten Artikel unterscheidet. Es sind genau jene sprachlichen Merkmale und strukturellen Attribute, die den Häppchen-Journalismus der oben genannten Lifestylemagazine von richtigem Journalismus, der normalerweise in der FAS zu finden ist, unterscheiden.

1. Blähstil
Da ist zunächst der Blähstil, hier auch formal schön erkennbar an der Schriftgröße, die sich zwischen der einer Subheadline und der üblichen Artikelschriftgröße bewegt. Zwischengrößen sind ein ziemlich sicherer Indikator für mangelnde Substanz. Wer hat nicht schon durch “Tunen” von 12 auf 13 Punkt eine Seminararbeit auf die geforderte Seitenzahl “aufgeblasen”. Inhaltlich entspricht diesem Verfahren das Aufblähen von ganz wenig oder sehr dünnem Inhalt durch Wiederholungen, lange Reihungen, umständliche Formulierungen oder Anreicherung mit Allgemeinplätzen.

Beispiel:
Absatz 1.
Gesagt:
“Sie sind überall. In jedem Park, beim Sonntagsspaziergang und auf dem Weg zum Einkaufen sind Jogger anzutreffen. Laufen liegt im Trend – rund 17 Millionen Menschen in Deutschland tun es regelmäßig. Nicht ohne Grund: Laufen stärkt die Muskulatur, das Herz und das Immunsystem.”

Etwa gemeint.
17 Millionen Deutsche laufen regelmäßig und profitieren von den positiven Auswirkungen auf Muskulatur, Kreislauf und Immunsystem.

2. Emphase statt Logik
Weiteres Kennzeichen von Lifestylejournalimus ist die übertriebene Emphase (“flexibelste”, “ganz wichtig” etc.) bei gleichzeitigem Ignorieren logischer Zusammenhänge und der Bedeutung von Adverbien und Konjunktionen. An die Stelle einer stringenten Argumentation tritt ein Pasticcio “gefühlter” Zusammenhänge.

Zur Illustration gehen wir einfach mal Absatz 2 satzweise durch.

“Laufen ist eine der flexibelsten Sportarten überhaupt.”

Was soll das heißen? Und wieso “überhaupt”?

“Trotzdem muss die Ausrüstung stimmen.”
Warum “trotzdem”?

“Besonders wichtig sind Füße und Gelenke, die beim Joggen das Zwei- bis Dreifache des Körpergewichts aushalten müssen.”
Sind die Füße und Gelenke mit “Ausrüstung” gemeint?

“Ein guter Laufschuh dämpft den Aufprall und stützt den Knöchel”.
Guter Satz!

Gemeint ist wohl.
Zum Laufen braucht es nicht viel. Unverzichtbar ist allerdings ein guter Laufschuh, der die Aufprallkräfte dämpft und die Knöchel stützt.

Noch auffälliger ist die logische Zusammenhanglosigkeit bei der Conclusio, die Absatz 3 einleitet.

Absatz 2 endet mit. “Letztlich hilft nur Ausprobieren. Denn jeder Fuß ist anders.”

Daraus wird nun “geschlossen”:
Deshalb testete Oliver Heil für uns einige der neuesten Laufschuhe.”

Die Tatsache, dass jeder Fuß anders ist, verweist ja schon auf die Sinnlosigkeit eines stellvertretenden Tests durch Oliver Heil und sei er ein noch so toller Athlet.

3. Sinnlose Tests
Womit wir beim dritten Merkmal des Livestylejournalismus sind: in “Infokästen” präsentierte sinnlose Tests. Sinnlos deshalb, weil subjektive Kriterien zu quasi objektiven Bewertungen geführt werden.

Zunächst wird aus der Fülle des Laufschuhangebotes (“es gibt alles”) eine kleine Anzahl (hier 6 Stück) herausgegriffen, ohne dass die Kriterien klar sind. Dann werden, und das ist neu und ein Graus, Interviewschnipsel (“das finde ich echt unangenehm”) mit Fachinformationen (“150 Euro”) verschnitten, um schließlich in eine schulnotengleiche “Gesamtnote” zu münden (“befriedigend”).

Ich hätte es wahrscheinlich auch kürzer sagen können, vielleicht in der Sprache von Frau Barbara Mia Grofe:

Der Knicker. Zeitungsrubriken im Test.

“Da drückt was auf das Stammhirn”
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (2,50 Euro) soll laut Hersteller informieren und erfreuen. Nach dem Brötchenschmieren blättert Eric Klepptenberger gleich in die Rubrik Gesellschaft. Der erste Eindruck? “Der Gesellschaftsteil ist so dünn, da spüre ich den Sachgehalt nicht mehr” findet Eric Klepptenberger. Und wie ist das Gefühl beim Lesen? “Da drückt was auf das Stammhirn” Das Quality Assurance Program von FAZ scheint nicht ganz zu greifen. Trotzdem – Werner findet: Die FAS ist mit Abstrichen eine der besten Zeitungen überhaupt. Gesamtnote: gerade noch befriedigend.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr treuer Leser

>CAFFEE, trink nicht so viel Kaffee

> Veröffenlicht auf telepolis.de
Zum Kaffeekränzchen, vulgo “Bündnis für Erziehung”, traf sich die Bundesfamilienministerin (7 Kinder) Ursula von der Leyen in der letzten Woche mit der evangelischen Landesbischöfin Margot Käßmann (4 Kinder) und dem Erzbischof von Berlin Georg Kardinal Sterzinsky (keine Kinder, weiß aber, wie es geht, im Prinzip).

Neben der Kaffeetafel stand der ölverschmierte Amboss, auf dem die drei “ChristInnen” (taz) bei einer schönen Tasse Türkentrank das “Bündnis für Erziehung” mit Hilfe zweier schwerer in Kunstleder gebundenen Volksbibeln und der Taschenbuchausgabe der deutschen Verfassung schmiedeten.

Bei der schweißtreibenden Arbeit kam es infolge exzessiven Kaffeegenusses und nicht minder heftigem Bibelstudium zu den üblichen Begleiterscheinungen der Koffeinvergiftung: Herzrasen, Schwindel, Krämpfe und schließlich: Visionen. Als erstes ging es bei von der Leyen los. Angesichts der Verfassungsbroschüre delirierte sie: “Hey, die sieht ja aus wie die Bibel in klein.”

Sah’s und sprach:

“Die ersten 19 Artikel unseres Grundgesetzes fassen doch im Prinzip die zehn Gebote zusammen”.

Nun gehört es zu den Errungenschaften eben jenes Grundgesetzes durch den Meinungsfreiheitsartikel auch irrige Ansichten zu schützen, wie zum Beispiel jene des heruntergekommenen Hippies am Bahnhof Zoo, der in der letzten Woche so manchen Passanten mit seiner Meinung behelligte: “Ich bin Gott, ey.” Dass vergleichbarer Salm aber durch unsere obersten Staatsvertreter als offizielle Meinung in die Medien geblasen wird, ist egal in welcher Verfassung man sich befindet, einfach nicht mehr zu fassen und eher schon ein Fall fürs Umweltamt, Abteilung Sondermüll. Für alle, die Politik immer blau gemacht haben und sich den Kommunionsunterricht nur wegen der zu erwartenden Geschenke abgesessen haben, hier noch mal der direkte Vergleich.

1.Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe.
2. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
3. Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen.
4. Gedenke des Sabbattags,
5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren,
6. Morde (töte) nicht!
7. Du sollst nicht ehebrechen.
8. Du sollst nicht stehlen.
9. Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
10. Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechtes noch seiner Magd, noch seines Ochsen noch seines Esels, noch alles, was dein Nächster hat.
(Quelle: Wikipedia.de (gekürzt) http://de.wikipedia.org/wiki/10_Gebote)

1. Menschenwürde und Menschenrechte
2. Freie Entfaltung der Persönlichkeit und Recht auf Leben
3. Gleichheit und Gleichberechtigung
4. Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, Kriegsdienstverweigerung
5. Freie Meinungsäußerung, Informationsfreiheit, Forschungsfreiheit
6. Schutz von Ehe und Familie
7. Schulwesen
8. Versammlungsfreiheit
9. Vereinigungsfreiheit
10. Postgeheimnis, Fernmeldegeheimnis
11. Freizügigkeit
12. Berufsfreiheit
12 a. Wehrpflicht, Wehrersatzdienst
13. Unverletzlichkeit der Wohnung
14. Eigentum, Erbrecht, Enteignung
15. Sozialisierung
16. Staatsangehörigkeit, Auslieferungsverbot
16 a. Asylrecht
17. Petitionsrecht
18. Grundrechtsverwirkung
19. Einschränkung von Grundrechten, Rechtsweggarantie
(Quelle: Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland)


Schwächt die Nerven macht dich blass und krank

Ab und an ein bisschen Schwachsinn labern, wer hat das als Schüler nicht gerne getan? Aber ein bisschen Schwachsinn war von der Leyen als Ergebnis für ein echtes Gipfel-Treffen aber noch nicht genug. Nach gemeinsamen Gebet und dem Genuss eines schönen Pickels Weihrauchs aus dem Privatbestand des Erzbischofs von Berlin entfuhr der Familienministerin schließlich die nachösterliche Offenbarung.


“Unsere gesamte Kultur gründet sich auf der christlichen Kultur.”

Eine gewagte These der sonst eher praktisch veranlagte Medizinerin (promoviert über therapeutische Entspannungsbäder in der Geburtsvorbereitung). Spannt sich doch der Bogen der “kulturellen Aktivitäten” des Christentums von der Verbrennung Andersgläubiger, der Leugnung der Evolution bis hin zur Abqualifizierung Homosexueller. Wir wollen hier nicht die vielen Toten aller christlichen Glaubenskriege gegen eindeutige Errungenschaften der christlichen Kultur, wie z.B. Bachs H-Moll-Messe, aufrechnen. Statt einer Bilanz soll Katharina Rutschkys Überschlagsrechnung aus der Frankfurter Rundschau gelten.

“Es hat also viel gekostet, das Christentum so zu zivilisieren, wie wir es heute vom Islam erhoffen.” (Quelle: Frankfurter Rundschau )

Ganz so zivilisiert scheint das Christentum auch in Deutschland noch nicht, rief doch Gipfelbischof Georg Kardinal Sterzinsky noch im November 2004 im Zusammenhang mit der Homoehe zum Widerstand auf gegen staatliche Gesetze auf, die dem Gesetz Gottes widersprechen. Das haben wir so zuletzt auf den grieseligen Ermittler-Videos aus der Al-Quds-Moschee gehört. Aber was will man erwarten. Seit der bayrische Großinquisitor zum Papst gewählt wurde, feiert das Heilige Römische Reich Deutscher Nation fröhliche Urständ und auch das C in der CDU schwillt aus lauter Vorfreude darauf wieder mächtig an.

Sei du kein Muselmann
Nach der Empörung anderer Religions- und Interessengemeinschaften, die nicht zum Bündnis-Kaffee geladen waren, vorneweg Muslime und Juden, drohen auf jeden Fall weitere Laberrunden, ganz viele “kleine Gipfel”, Minibündnisse und Ausschüsse, die unterhalb der Legislaturperioden zur kommoden Zwischenlagerstätte gesellschaftlicher Probleme geworden sind.

So gesehen ist das Hauptziel des Erziehungs-Gipfels bereits erreicht. Das eigentliche Skandalon, dass fast 5 Mio. Leute beim Exportweltmeister keine Arbeit haben und damit ihre Familien und Kinder bis auf Bußgottesdienste und 9Live-Gucken vom gesellschaftlichen Leben in unserer abendländisch-christlich-deutschen Wertegemeinschaft ausgeschlossen bleiben, ist erst einmal aus den Medien verschwunden. Für dieses Ziel lässt man sich die politische Agenda gerne von ein paar durchgeknallten Hauptschülern diktieren, die mit Schlagringen in der Luft herumwedeln und in die Kameras rappen: “Respekt. Ich fick deine Mutter.”

Das klingt nicht gut, nein und ist wirklich eine Schande, wo wir in unseren werteorientierten Schulmusikbüchern, so viel schönere Lieder haben. Zum Beispiel:

C A F F E E, trink nicht so viel Kaffee.
Nicht für Kinder ist der Türkentrank,
schwächt die Nerven macht dich blaß und krank.
Sei du kein Muselmann, der das nicht lassen kann.

Carl Gottlieb Hering (1766-1853)